Sunday, 11. september 2011
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Harry M. Markowitz und seine Portfoliotheorie
Harry M. Markowitz wurde am 24. August 1927 in Chicago geboren und studierte an der dortigen Universität Wirtschaftswissenschaften. 1952 wurde im "Journal of Finance" sein Aufsatz "Portfolio
Selection" veröffentlicht. Zusammen mit William F. Sharpe und Merton M. Miller erhielt er dafür 1990 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften.
Einleitung zur Portfoliotheorie
Auch wenn viele Anleger keine Risikostreuung in ihr Portfolio (Investitionen, Wertpapierdepot) einbauen, ist ihnen der Begriff trotzdem sehr geläufig. Das war nicht immer so, denn erst Markowitz
hat mittels seiner Portfoliotheorie diesen Begriff zugänglich gemacht. Deshalb wird er auch als der Erfinder der (Risiko)-Streustrategie bezeichnet.
Markowitz geht in seiner Theorie von folgenden Gegebenheiten aus:
- Die Märkte sind vernünftig und funktionieren gut.
- Die Marktteilnehmer sind umfassend informiert und haben zwei Ziele:
- Ziel 1: Sie möchten hohe Renditen zu erzielen.
- Ziel 2: Die hohen Renditen sollen zuverlässig und sicher eintreten.
Das Ziel der hohen Renditen wurde bei der Auswahl der Wertpapiere berücksichtigt. Das Bestreben, diese hohen Renditen auch zu erwirtschaften, wurde nur in der Form beachtet, dass man sich bei der
Auswahl eines Wertpapiers seine Entscheidung "risikoavers" traf. Hatte man zwei Investitionen mit gleich hoher Rendite analysiert, so wurde die mit dem kleineren Risiko gewählt. Ein noch höheres
Risiko wurde nur dann akzeptiert, wenn die erwartete Rendite überproportional stieg.
Zielsetzung der Portfoliotheorie
Für Markowitz ergab sich daraus die Zielsetzung, mittels mathematischer Techniken, historischer Daten und Meinungen zuverlässiger Analysten ein optimales und effizientes Portfolio
(Vermögensdepot) zusammenzustellen.
Weg zur Portfoliotheorie
Im Folgenden möchte ich drei Thesen aneinanderreihen, die Ihnen helfen sollen, den Weg hin zur Portfoliotheorie zu verstehen:
1. - Die Rendite und das Risiko sind miteinander verknüpft und können nicht getrennt werden!
Mit anderen Worten: Wenn ein Anleger hohe Gewinne erzielen möchte, dann geht er auch höhere Risiken ein, was so viel bedeutet wie: Die angestrebten Renditen werden nicht erreicht.
Markowitz unterschied in ein systematisches und ein unsystematisches Risiko.
Dem systematischen Risiko sind alle Wertpapiere unterworfen. Von daher kann es nicht durch eine Strategie mit anderen Wertpapieren beseitigt werden.
Anders das unsystematische Risiko, das dem einzelnen Wertpapier (zum Beispiel einer Aktie) anhaftet. Dieses Risiko lässt sich durch eine Diversifikation verringern.
2. - Es sollten nicht nur die Renditen maximiert, sondern auch die Risiken durch Diversifikation minimiert werden!
Wird eine höhere Rendite erwartet, so nimmt das Risiko zu. Durch eine Diversifikation lässt sich das unsystematische Risiko verringen. Unter einer Diversifikation versteht man die Aufteilung des
Vermögens auf mehrere Anlagetitel. Zunächst waren damit nur Aktien und Anleihen gemeint, heute werden verschiedene Assetklassen, wie zum Beispiel Immobilien, Gold, Rohstoffe, Währungen, ..., mit
einbezogen.
3. - Bei einer Diversifikation muss darauf geachtet werden, dass die Verteilung des Vermögens in so wenig wie möglich korrelierende (voneinander unabhängige) Assetklassen gestreut
wird!
Was genau bedeutet dies? Wenn verschiedene Assets (Vermögenswerte) miteinander korrelieren, dann entwickelt sich ihr Kurs ungefähr gleich. Steigt der eine Wert, so steigt auch der andere - fällt
der Kurs eines Assets, so fällt auch der andere. In Werten ausgedrückt sieht dies folgendermaßen aus:
- 1 = gleichlaufende Entwicklung
- 0 = unabhängige Entwicklung
- -1 = gegenläufige Entwicklung
Der Korrelationswert von Aktien zu Immobilien liegt bei ungefähr -0,05 - Aktien und Immobilien entwickeln sich also unabhängig voneinander.
Der Korrelationswert von Aktien zum DAX-Index liegt bei ungefähr 0,9 - Aktien und der DAX-Index entwickeln sich also fast gleichlaufend.
Der Korrelationswert vom DAX-Index zu Anleihen liegt ungefähr bei -0,5 - der DAX-Index und Anleihen entwickeln sich also eher gegenläufig.
Geht man so vor, so sinkt bei gleichen Renditechancen das Risiko und bei gleichem Risiko steigen die Renditechancen! Allerdings müssen die Vermögenswerte sehr breit gestreut werden (ca. 20
verschiedene Werte)!
7 Schritte zum eigenen effizienten Portfolio
Natürlich sagen diese drei Thesen nicht alles aus. Schließlich umfasst Markowitz' Werk über 450 Seiten. Vielleicht ist es hilfreich, wenn ich zum Schluss dieses Artikels versuche, eine Art
Anwendung der Portfoliotheorie in 7 Schritten aufzulisten:
Schritt 1: Definieren Sie Ihre angestrebte Rendite, die Anlagedauer (ein langer Anlagehorizont erhöht die Wahrscheinlichkeit, Ihr Renditeziel zu erreichen und verschafft Ihnen
die Möglichkeit, größere Risiken einzugehen) und Ihre Risikobereitschaft.
Schritt 2: Optimieren Sie Ihr Portfolio (oder bauen Sie ein Portfolio auf), indem Sie nicht nur nach Renditegesichtspunkten Vermögenswerte wählen, sondern auch nach
Risikogesichtspunkten Assetklassen analysieren.
Schritt 3: Bestimmen Sie die Korrelation der Assetklassen (untereinander und innerhalb der Klassen) so, dass sie sich möglichst unabhängig voneinander entwickeln.
Schritt 4: Schätzen Sie das unsystematische Risiko der einzelnen Vermögenswerte richtig ein.
Schritt 5: Streuen Sie breit (20 verschiedene Werte).
Schritt 6: Bauen Sie ein "effizientes Portfolio" auf, indem Sie Ihr Wertpapierdepot ausbalancieren.
Schritt 7: Behalten Sie Ihr Portfolio im Auge, das heißt: Rebalancieren Sie das Depot immer wieder.
Zusammenfassung / Grundaussage
Ein effizientes Portfolio ist dadurch gekennzeichnet, dass das Vermögen auf verschiedene Assetklassen, die so wenig wie möglich miteinander korrelieren, diversifiziert (gestreut) wird. Dadurch
wird das Risiko des Gesamtportfolios unter das durchschnittliche Risiko der im Depot enthaltene Einzelwerte gesenkt.
Fazit
Markowitz schreibt in Kapitel 3 von "PORTFOLIO SELECTION", dass mit Ausnahme der Anhänge sein Buch für Leser ohne mathematische Ausbildung gedacht ist. Liest man aber als Otto Normalbürger sein
Werk oder andere Bücher zur Portfoliotheorie oder dem Portfoliomanagement, so stößt man sehr schnell an seine Grenzen. Insofern möchte ich dem Leser, der solche Werke kaufen möchte, zuallererst
raten, entweder in einer Bibliothek oder in einem Buchladen einen Blick in solche Bücher zu werfen. Eventuell sparen Sie dadurch viel Geld.
Wahrscheinlich haben Sie durch diesen Artikel auch wahrgenommen, dass eine Analyse gemäß der Portfoliotheorie sehr umfassend ist. Darüber hinaus muss man sich in den verschiedenen Assetklassen
sehr gut auskennen. Für Aktien-Anfänger ist diese "Strategie" meines Erachtens völlig ungeeignet.
Dennoch möchte ich dazu anraten, den Grundgedanken der Portfoliotheorie Beachtung zu schenken. Setzen Sie Ihnen einleuchtende Schritte soweit möglich in Ihrem Portfolio um.
Liest man nur über die Portfoliotheorie, so erscheint einem alles ziemlich logisch. Aber über die Portfoliotheorie hinaus gibt es auch andere Verhaltensweisen von Anlegern (Behavioral Finance),
die teilweise zu anderen Handlungsweisen führen. Betrachten Sie deshalb die Portfoliotheorie als Teil einer Aktien- und Börsenstrategie.
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